So briefen Sie eine Webagentur richtig: Das Dokument, das Ihnen eine bessere Website sichert
Ein vages Briefing führt zu einer generischen Website. Hier erfahren Sie genau, was eine Webagentur braucht – und was die meisten Unternehmer vergessen.
Themen
Die meisten Website-Projekte laufen schief, bevor das erste Design-Mockup überhaupt erstellt wurde.
Das Problem liegt selten an der Agentur. Selten am Budget. Meistens liegt es am Briefing – oder daran, dass keines existiert.
Ein gutes Briefing gibt der Agentur alles, was sie braucht, um in jeder Projektphase die richtigen Entscheidungen zu treffen. Ein schlechtes Briefing zwingt sie zum Raten – und jede Vermutung ist ein Risiko, etwas zu bauen, das Sie nicht wollten.
Warum Ihr Briefing Ihre Website bestimmt
Agenturen bauen, was man ihnen sagt. Wenn die Anweisung lautet „Wir brauchen eine neue Website, modern und aufgeräumt”, erhalten Sie, was die Agentur unter modern und aufgeräumt versteht – was möglicherweise nichts mit Ihren Kunden, Ihrer Branche oder Ihren Zielen zu tun hat.
Ein präzises Briefing ändert die Dynamik grundlegend. Statt zu raten, löst die Agentur ein klar definiertes Problem. Das Ergebnis ist schneller, günstiger und mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit kommerziell erfolgreich.
1. Unternehmenskontext
Beginnen Sie damit, was Ihr Unternehmen wirklich macht – nicht den Elevator-Pitch, sondern die ehrliche Version.
- Was verkaufen Sie, und an wen? (Konkret: Branche, Unternehmensgröße, Region)
- Was unterscheidet Sie von Ihren drei nächsten Wettbewerbern? (Nicht „Qualität und Service” – das behauptet jeder)
- Was sollen Besucher auf Ihrer Website tun? (Eine primäre Handlung benennen)
- Gibt es Themen, Aussagen oder Bilder, die Sie explizit nicht auf der Website haben wollen?
2. Ziele und Erfolgskriterien
Eine Website, die „professioneller wirkt”, ist kein Ziel. Ein Ziel ist messbar.
- „Wir möchten die eingehenden Anfragen von B2B-Kunden innerhalb von 6 Monaten um 40 % steigern”
- „Wir wollen für drei konkrete Suchbegriffe auf Seite 1 von Google erscheinen”
- „Wir wollen durch bessere Selbstbedienungsinformationen auf der Website die Zahl der Vor-Kauf-Telefonanfragen reduzieren”
Wenn Sie Erfolg nicht in Zahlen beschreiben können, werden weder Sie noch die Agentur die fertige Website sinnvoll bewerten können.
3. Zielgruppe
Beschreiben Sie Ihre Zielgruppe nicht über Demografie, sondern über Psychografie.
Nicht: „35–55 Jahre, B2B, Mittelstand.” Sondern: „Ein Geschäftsführer eines Dienstleistungsunternehmens mit 15–50 Mitarbeitern, der frustriert ist, weil die aktuelle Website die tatsächliche Qualität des Unternehmens nicht widerspiegelt. Er hat wahrscheinlich schon schlechte Erfahrungen mit einer Agentur gemacht und ist vorsichtig.”
Je genauer Sie beschreiben, wie Ihr Wunschkunde denkt und fühlt, desto präziser kann die Agentur Texte schreiben und Seiten gestalten, die genau diese Person ansprechen.
4. Technische Anforderungen
Seien Sie bei allem, was die Umsetzung beeinflusst, explizit:
- Brauchen Sie ein CMS, das nicht-technische Mitarbeiter bedienen können – und welches?
- Sind Drittanbieter-Integrationen erforderlich? (CRM, Buchungssystem, Zahlungsabwicklung, ERP)
- Benötigen Sie die Website in mehreren Sprachen? (Wie viele, und wer übersetzt?)
- Gibt es Compliance-Anforderungen? (DSGVO, Barrierefreiheit, branchenspezifische Vorgaben)
- Wie ist Ihre aktuelle Hosting-Situation und möchten Sie diese beibehalten?
Wenn diese Punkte erst im Projektverlauf auftauchen, entstehen Änderungen am Leistungsumfang und Mehrkosten. Eine Agentur, die die technischen Anforderungen von Anfang an kennt, kann präzise kalkulieren und planen.
5. Gestalterische Richtung
Sie müssen kein Design-Experte sein. Sie müssen eine Richtung vorgeben.
- Suchen Sie 3–5 Websites, die Ihnen gefallen – weltweit, nicht unbedingt aus Ihrer Branche – und notieren Sie konkret, was Ihnen daran gefällt (Layout, Farbpalette, Bildsprache, Tonalität)
- Teilen Sie vorhandene Corporate-Design-Richtlinien: Logo-Dateien, Farben, Schriften
- Nennen Sie Beispiele, was Sie explizit nicht wollen – „kein Konzernblau”, „keine Stockfotos mit Händeschütteln”
Das Ziel: Revisions-Schleifen reduzieren, die entstehen, weil die Agentur Ihren Geschmack falsch eingeschätzt hat. Eine klare gestalterische Richtung verkürzt die Projektlaufzeit erheblich.
6. Content-Verantwortung
Hier stocken die meisten Projekte. Wer schreibt die Texte für die einzelnen Seiten? Wer liefert die Fotos? Sind das vorhandene Materialien oder müssen neue Inhalte von Grund auf erstellt werden?
Seien Sie im Briefing ehrlich:
- „Wir haben einen Texter, der alle Seitentexte übernimmt”
- „Wir schreiben die Texte selbst – plant 3 Wochen pro Runde ein”
- „Wir benötigen die Agentur für das gesamte Copywriting”
- „Wir haben professionelle Fotos aus einem aktuellen Shooting” vs. „Fotoproduktion muss noch organisiert werden”
Content-Erstellung ist oft die längste Phase eines Website-Projekts – und die Phase, die Unternehmer am häufigsten unterschätzen. Planen Sie sie realistisch ein.
7. Timeline und Budget
Viele Unternehmer zögern, ein Budget zu nennen, weil sie befürchten, damit den Preis nach oben zu treiben. Das Gegenteil ist der Fall.
Eine Budgetspanne sagt der Agentur, welches Lösungsniveau sie vorschlagen soll. Ohne diese Information entwickeln Agenturen entweder zu viel (sie schlagen 50.000 € vor, obwohl 12.000 € genügen würden) oder zu wenig (sie bauen etwas, das Ihre Ziele nicht erreicht).
Nennen Sie Ihren angestrebten Launch-Termin und fixe Deadlines – Messen, Produktstarts, Saisonen. Nennen Sie Ihre Budgetspanne ehrlich. Eine gute Agentur sagt Ihnen, was darin machbar ist. Wenn das, was Sie wirklich brauchen, Ihr Budget übersteigt, erfahren Sie das, bevor Sie unterschrieben haben.
Was eine gute Agentur mit einem guten Briefing macht
Eine professionelle Agentur liest Ihr Briefing, stellt Rückfragen und unterbreitet dann einen konkreten Vorschlag mit klarem Leistungsumfang, Zeitplan und Preis. Sie wird auf Anforderungen hinweisen, die Kosten verursachen, aber keinen Mehrwert bringen. Sie nennt Risiken, die Sie noch nicht bedacht haben.
Genau diese Dynamik wollen Sie. Ein Briefing, das nichts aussagt, produziert eine Agentur, die alles verspricht und das liefert, was am einfachsten umzusetzen ist.
Checkliste für Ihr Briefing
Bevor Sie eine Agentur kontaktieren, prüfen Sie, ob Ihr Briefing folgende Punkte abdeckt:
- Was Ihr Unternehmen macht und wen es bedient (konkret)
- Ihre drei nächsten Wettbewerber und Ihr Unterscheidungsmerkmal
- Primäres Conversion-Ziel – die eine Handlung, die Besucher ausführen sollen
- Ideales Kundenprofil – beschrieben durch Psychografie, nicht Demografie
- Technische Anforderungen und benötigte Integrationen
- 3–5 Design-Referenzwebsites mit Anmerkungen, was Ihnen gefällt
- Content-Verantwortungsplan für Texte und Fotografie
- Budgetspanne und angestrebter Launch-Termin
Wissen Sie, womit Sie starten?
Bevor Sie einen Relaunch beauftragen, lohnt es sich zu wissen, was Ihre aktuelle Website bremst. Unser kostenloser Website-Analyser unter webvise.io/analyze liefert einen technischen Gesundheitscheck – PageSpeed-Wert, mobile Nutzbarkeit und konkrete Probleme – in unter 60 Sekunden. Keine Anmeldung erforderlich.
Weitere Artikel
Was ist ein Headless CMS? Eine verständliche Erklärung für Unternehmer
Sie hören den Begriff 'Headless CMS' immer wieder von Entwicklern und Agenturen. Hier erfahren Sie, was er wirklich bedeutet, welche Vorteile er für Ihr Unternehmen hat und wann es sinnvoll ist, diesen Ansatz zu wählen.
Nächster ArtikelWie wählt man eine Webagentur? 7 Fragen vor der Unterschrift
Die meisten Webagenturen wirken auf ihrer eigenen Website überzeugend. So trennen Sie die Zuverlässigen von den Enttäuschungen.